Sonntag, 13. Dezember 2009

Ampalaya

Gestern war ich auf meinem ersten Ausflug. Meine Eltern haben ein bisschen Land gepachtet und lassen es jetzt vom Eigentümer bestellen. Ja, richtig gelesen. Der Landeigentümer hat nicht genug Geld, um das Land zu bestellen. Also haben meine Eltern einen Deal mit diesem ausgehandelt. Sie pachten das Land und bezahlen das Saatgut. Bei der Ernte wird als erstes das Saatgut abbezahlt und von dem restlichen Gewinn bekommen meine Eltern 50%.

Insgesamt klingt das jetzt erstmal sehr vorteilhaft für meine Eltern. Der Zinssatz kann sich sehen lassen. Aber auch der Eigentümer hat etwas davon. Wir reden hier von Menschen, die nie genügend Geld haben, um das Saatgut vorzustrecken und dann auch noch die drei Monate bis zur Ernte zu überleben. Also leihen sich diese im Normalfall immer Geld. Die Zinssätze erstrecken sich auf meist wahnsinnig hohe Werte. In Deutschland gibt es den Begriff des Zinswuchers dafür. Jedenfalls trägt in diesem Fall der Eigentümer das komplette Risiko. Bei einem Ernteausfall ist die Familie bereits in Existenznot.

Meine Eltern befreien jetzt den Eigentümer von den Pflichten das Saatgut sofort zu bezahlen und übernehmen damit einen Teil des Risikos. Gleichzeitig kann der Eigentümer jetzt teurere Pflanzen verwenden, die eine höhere Gewinnmarge bringen. Ohne diesen Eingriff wäre das wahrscheinlich nicht möglich gewesen. Allerdings machen sie das auch nur bei Leuten, denen Sie vertrauen. Also meist irgendwelche Verwandten um 5-x Ecken.

Damit kommmen wir dann zurück zur Ampalaya. Es handelt sich hierbei um eine Bittermelone und diese ist neben einer Nationalfrucht auf den Philippinen auch noch Bestandteil für Diabetiker-Medikamente. Also die Samen werden entsprechend weiterverarbeitet und sind Wertvoll. Die Eigentümer hoffen aus dem Feld knapp 100 kg Samen zu gewinnen. Ab 50 kg sind die Investitionskosten wieder rein geholt worden. 1kg hat den Verkehrswert von knapp 600 PHP (ca. 10 Euro). Eine ähnliche Fläche mit Mais bepflanzt wirft knapp 5000 PHP ab. Geerntet wird hier fast alles im dreimonats-Rhytmus.

Weil die Frucht so wertvoll ist, sind die Eigentümer aus einem für bäuerliche Verhältnisse schönen zu Hause ausgezogen und in eine Baracke am Feldrand eingezogen. Das Risiko wäre sonst zu groß, das jemand in einer Nacht und Nebel Aktion mal kurz eben die komplette Fläche aberntet.

Achso ich kann die Frucht im Essen nicht ab. Der bittere Geschmack hat mich schon als Kind wahnsinnig irritiert und gestört.

Ich habe auch ein paar schöne Fotos dazu. Aber mit der Internetverbindung quäle ich mich grade nur beim Upload. Ich reiche die Fotos nach. Ich hoffe ich habe schon erwähnt, dass auf Basis von Zahlen, die ich im Blog liefere irgendwelche Wetten oder Geschäfte abschliesst. Also ohne Gewähr. ;)

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